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Essays unserer Absolvent/innen und Teilnehmendenstimmen

Essays unserer Teilnehmenden

Tanja Hanikel

Betrachtung eines konkreten Falls: „Die Klientin ist Mutter einer 18‑jährigen Tochter. Es kommt regelmäßig zu Konflikten rund um Hausarbeit und Aufräumen“

 

1. Ausgangssituation, Anliegen und Zielzustand

Ausgangssituation/Typischer Verlauf: Die Mutter bittet oder fordert Unterstützung im Haushalt. Die Tochter reagiert abweisend oder genervt. Die Situation eskaliert, es kommt zum Streit. Die Tochter zieht sich in ihr Zimmer zurück, schließt die Tür und blockt ab. Die Mutter beschreibt, dass sie sich in diesen Momenten machtlos fühlt, schnell laut wird und hinterher unzufrieden mit ihrem eigenen Verhalten ist.

Das Anliegen der Mutter ist: „Wie kann ich ruhig und gelassen bleiben und mit meiner Tochter anders kommunizieren?“

Das Ziel ist Stärkung der inneren Ruhe und Souveränität der Mutter in Konfliktmomenten und Verringerung von Wut, Hilflosigkeit und impulsiven Reaktionen. Dieser Zielzustand wurde konkretisiert, indem folgende Fragen geklärt wurden:

  • Woran würdest du merken, dass du ruhig und gelassen bleibst?
  • Wie würde sich dein Körper anfühlen?
  • Wie würdest du sprechen (Tonfall, Wortwahl)?

So entstand ein möglichst klares Bild davon, wie die Mutter sich künftig in diesen Situationen erleben möchte.

Zur Erreichung dieser Ziele wurden Methoden der Ressourcenaktivierung und die NLP‑Ankertechnik eingesetzt.

  1. Beschreibung der eingesetzten Interventionen

2.1 Ressourcenaktivierung
Die Ressourcenaktivierung ist ein methodischer Ansatz bei dem vorhandenen Stärken, Fähigkeiten und positive Erfahrungen einer Person bewusst gemacht, verstärkt und für aktuelle Probleme nutzbar gemacht werden. Die Ressourcenaktivierung soll die emotionalen und kognitiven Zustände aktivieren (z.B. Ruhe, Klarheit, Zuversicht), die für den Umgang mit aktuellen Konflikten hilfreich sind.

Im konkreten Fall der Mutter bedeutet dies:

  • Den Blick weg von Defiziten („Ich explodiere immer“, „Ich bin hilflos“) hin zu Situationen zu lenken, in denen sie bereits ruhig und souverän handeln konnte.

2.2 NLP‑Ankertechnik

Die Ankertechnik aus dem Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP) nutzt die Verknüpfung zwischen äußeren Reizen und inneren Zuständen. Ein „Anker“ ist ein bewusst gesetzter Reiz (z.B. Berührung, Wort, Atemtechnik), der mit einem gewünschten Gefühl oder Zustand gekoppelt wird und diesen später schnell abrufbar macht. Entwickelt im Rahmen des NLP in den 1970er‑Jahren (u.a. Richard Bandler, John Grinder).

Im vorliegenden Fall:

  • Der gewünschte Zustand ist Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit der Tochter.
  • Der Anker dient dazu, diesen Zustand auch dann zu aktivieren, wenn die Situation emotional aufgeladen ist und alte Muster (Lautwerden, Eskalation) einsetzen wollen.

So kann die Mutter in kritischen Momenten einen „Knopf“ drücken, um sich zu stabilisieren und anders zu reagieren.

  1. Anwendung der Techniken im konkreten Fall
    • Ressourcenaktivierung

3.1.1 Ressourcen finden

Die Mutter wurde eingeladen, sich bequem hinzusetzen, tief einzuatmen und sich an Situationen zu erinnern, in denen sie ruhig geblieben ist, obwohl jemand wütend oder unfair war, in denen sie klare Grenzen gesetzt hat, ohne laut zu werden. Aus mehreren Beispielen wurde eine Situation ausgewählt, in der sie sich besonders souverän und innerlich ruhig erlebt hatte.

3.1.2 Vertiefung der Ressourcenerinnerung

Diese ausgewählte Situation wurde ausführlich mit Hilfe von Submodalitäten beschrieben:

  • Was hast du in diesem Moment gesehen? (Umgebung, Gesichtsausdruck des Gegenübers, eigene Körperhaltung etc.)
  • Was hast du gehört? (Worte, Tonfall, Geräusche im Hintergrund)
  • Was hast du gefühlt? (Körperempfindungen, Emotionen wie Ruhe, Klarheit, Sicherheit)

Ziel dieser Vertiefung war es, den ressourcenvollen Zustand im Gespräch mit der Mutter so zu aktivieren, dass er körperlich und emotional gut spürbar wurde.

3.1.3 Übertragung auf die Konfliktsituation

Im nächsten Schritt wurde die Brücke zur aktuellen Problematik geschlagen. Wie könnte diese innere Haltung der Mutter helfen, wenn die Tochter genervt reagiert oder die Tür zuknallt? Was würde sie dann anders sagen oder tun? Wie würde sich die Situation verändern, wenn sie in diesem ressourcenvollen Zustand bliebe?

Die Mutter hat die ersten alternative Reaktionsmöglichkeiten formuliert, wie z.B. leiser sprechen statt lauter werden, deutliche, aber ruhige Benennung ihrer Bedürfnisse („Ich brauche Unterstützung im Haushalt, damit ich nicht alles allein tragen muss.“) formulieren.

Die Ressourcenaktivierung diente damit als Grundlage, um einen inneren Zustand zu schaffen, der später durch die Ankertechnik schneller abgerufen werden kann.

3.2 Installation des Ankers

3.2.1 Anker auswählen

Gemeinsam wurde ein diskreter und im Alltag gut einsetzbarer Anker gewählt. Im konkreten Beispiel war es die Berührung des Herzes mit der Handfläche. Dieser Anker ist unauffällig, jederzeit verfügbar und kann auch mitten im Konflikt eingesetzt werden, ohne die Situation sichtbar zu unterbrechen.

3.2.2 Anker setzen

Während die Mutter erneut intensiv in die ressourcenvolle Erinnerung eintauchte und die innere Ruhe und Souveränität deutlich spürte, wurde der Anker gesetzt:

  • Im Moment der stärksten positiven Empfindung habe ich sie aufgefordert die Handfläche auf das Herz zu legen und einen bewussten, ruhigen Atemzug zu nehmen. Dabei habe ich die Veränderungen in der Körperhaltung beobachtet.
  • Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt. Durch diese Wiederholung wurde die Verknüpfung zwischen der Berührung / dem Atemzug und dem inneren Zustand der Ruhe verstärkt.
  • Anker testen

Anschließend wurde die Mutter kurz abgelenkt (Themenwechsel, neutrale Fragen). Danach wurde sie gebeten den Anker (Handfläche aufs Herz) auszulösen und wahrzunehmen, was sich in ihrem inneren Zustand verändert.

Sie berichtete, dass sich bei Auslösen des Ankers bereits eine leichte Beruhigung und ein Gefühl von „mehr bei mir sein“ einstellte. Damit war der Anker grundsätzlich funktionsfähig.

  • Vorbereitung auf reale Konfliktmomente (Future Pacing)

Um die Anwendung in der Praxis zu erleichtern, wurde eine typische Konfliktszene mit der Tochter gedanklich durchgespielt. „…Die Spannung steigt, die Mutter spürt ihren gewohnten Impuls laut zu werden.“ In dieser Vorstellungspraxis übte die Mutter konkret:

  • In dem Moment, in dem sie den inneren Stress wahrnimmt, den Anker auszulösen und ein bis zwei tiefe, ruhige Atemzüge zu nehmen.
  • Aus diesem Zustand heraus eine alternative Reaktion zu wählen, z.B. ruhig und aufs Verhalten bezogen zu reagieren und zu formulieren, was sie braucht.

Zum Abschluss der Sitzung wurden konkrete Schritte für den Alltag vereinbart, wie z. B. die Mutter übt den Anker mehrmals täglich in neutralen Situationen, um die Verknüpfung zu stabilisieren.

  1. Fazit

Die Kombination aus Ressourcenaktivierung und NLP‑Ankertechnik erwies sich für das Anliegen der Mutter als geeignetes Vorgehen.

  • Durch die Ressourcenaktivierung konnte die Mutter sich wieder als handlungsfähig und kompetent erleben. Sie bekam Zugang zu inneren Qualitäten wie Ruhe und Souveränität, die im akuten Streit bislang verschüttet waren.
  • Mit Hilfe der Ankertechnik wurde diese innere Haltung an einen einfachen körperlichen Reiz gekoppelt, sodass sie in kritischen Momenten schneller abrufbar ist.

Die Intervention ermöglicht der Mutter, anders zu reagieren und zu kommunizieren, wodurch alte Eskalationsmuster vermieden werden. Dies führt langfristig zu einer besseren Beziehung zwischen Mutter und Tochter mit mehr gegenseitiger Achtung und weniger Konflikten.

Die Rückmeldung der Klientin ein paar Wochen nach der Sitzung war, dass sie ruhiger bleibt, in einem ruhigeren Ton spricht und Konflikte gemeinsam gelöst werden können.

Peter Harreker

Berufliche Entscheidungsfindung durch die logischen Ebenen im NLP

 

Die Entscheidung für den richtigen beruflichen Weg gehört zu den prägendsten Momenten im Leben. Für mich hatte diese Entscheidung jedoch eine besondere Tragweite, da ich sie nicht mehr nur für mich allein traf, sondern als Familienvater auch die Verantwortung für meine Familie mit einbezog. Entscheidungen betreffen in diesem Kontext nicht nur die eigene berufliche Entwicklung, sondern wirken sich immer auch auf das private Umfeld, die Lebensqualität und die Zukunft der Familie aus.

Ich stand vor der Wahl zwischen einem internationalen Startup: dynamisch, spannend und voller Entwicklungsmöglichkeiten. Im Gegensatz dazu eine Position im regionalen Mittelstand im Allgäu, die vor allem Stabilität und Nähe versprach. Anfangs war meine Begeisterung für das Startup groß, da es genau die Aspekte verkörperte, die ich in früheren Lebensphasen als besonders attraktiv empfunden hatte: Wachstum, Geschwindigkeit und neue Herausforderungen. Doch durch die Anwendung der logischen Ebenen aus dem NLP entwickelte sich Schritt für Schritt ein klarer Entscheidungsprozess, der letztlich zu einer nachhaltigen und für mich zu 100 % richtigen Wahl führte.

Die logischen Ebenen nach Robert Dilts bieten ein Modell, um Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen zu reflektieren: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Werte und Überzeugungen, Identität sowie Zugehörigkeit bzw. Sinn. Diese strukturierte Herangehensweise ermöglichte es mir, meine Entscheidung nicht nur kurzfristig, sondern ganzheitlich und langfristig tragfähig zu gestalten. Dabei wurde mir bewusst, dass die einzelnen Ebenen nicht isoliert voneinander wirken, sondern in einem dynamischen System miteinander verbunden sind. Höhere Ebenen geben die Richtung vor, während Erfahrungen auf unteren Ebenen langfristig auf diese zurückwirken und sie stabilisieren oder verändern.

Auf der ersten Ebene, der Umwelt, stellte ich mir die Frage, in welchem Umfeld ich zukünftig leben und arbeiten möchte. Das internationale Startup hätte ein schnelllebiges, urbanes Umfeld bedeutet, verbunden mit hoher Mobilität oder sogar einem Umzug ins Ausland. Dieser Gedanke war zunächst reizvoll, da er für Veränderung und neue Erfahrungen stand. Doch als Familienvater rückte eine andere Perspektive in den Vordergrund: ein stabiles Umfeld, ein verlässliches soziales Netzwerk und eine hohe Lebensqualität für meine Familie. Das Allgäu verkörpert genau diese Aspekte. Natur, Ruhe und Beständigkeit. Mir wurde klar, dass die Umwelt nicht nur äußere Rahmenbedingungen schafft, sondern mein Verhalten im Alltag maßgeblich prägt und gleichzeitig meine Werte verstärkt. Ein stabiles Umfeld fördert langfristig auch innere Ruhe, Orientierung und Sicherheit.

Auf der Verhaltensebene reflektierte ich meinen zukünftigen Alltag. In einem Startup wären vermutlich lange Arbeitszeiten, hohe Flexibilität und eine starke berufliche Fokussierung erforderlich gewesen. Diese Dynamik hatte zunächst eine große Anziehungskraft auf mich, da sie mit Leistung, Engagement und persönlicher Entwicklung verbunden ist. Gleichzeitig wurde mir jedoch bewusst, dass dieses Verhalten schwer mit meiner Rolle als Vater vereinbar wäre. Für mich bedeutet Verantwortung, im Alltag präsent zu sein – nicht nur physisch, sondern auch emotional. Im Mittelstand erkannte ich hingegen deutlich mehr Struktur und Planbarkeit. Dadurch wird es möglich, sowohl beruflich engagiert als auch familiär verlässlich zu sein. Mein Verhalten wirkt dabei nicht nur nach außen, sondern formt langfristig auch mein Selbstbild. Ein stimmiger Alltag stärkt meine Identität, während ein dauerhaft belastender Alltag zu inneren Spannungen führen würde.

Die Ebene der Fähigkeiten eröffnete mir eine weitere wichtige Perspektive. Das Startup versprach eine steile Lernkurve, Innovation und internationale Erfahrungen. Doch bei genauerer Betrachtung wurde mir klar, dass nachhaltige Entwicklung für mich nicht nur Geschwindigkeit bedeutet, sondern vor allem Kontinuität. Im regionalen Mittelstand sah ich die Möglichkeit, meine Kompetenzen gezielt auszubauen, langfristig Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Entwicklung eines Unternehmens mitzuwirken. Diese Form der Entwicklung erschien mir zunehmend wertvoller, da sie nicht nur fachliche Fähigkeiten stärkt, sondern auch Stabilität und Verlässlichkeit fördert. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass die Fähigkeiten, die ich entwickle, auch meine Überzeugungen darüber beeinflussen, was ich mir selbst zutraue, und damit langfristig meine Werte und meine Identität prägen.

Der entscheidende Wendepunkt meiner Entscheidungsfindung lag auf der Ebene der Werte und Überzeugungen. Anfangs standen für mich Werte wie Wachstum, Innovation und Herausforderung im Vordergrund. Aspekte, die klar für das Startup sprachen.

Doch durch die bewusste Reflexion wurde mir klar, dass sich meine Werte verändert hatten. Als Familienvater gewannen Sicherheit, Verlässlichkeit und Verantwortung deutlich an Bedeutung. Nachhaltigkeit wurde zu einem zentralen Kriterium. Entscheidungen sollten nicht nur kurzfristig attraktiv sein, sondern auch langfristig Bestand haben. Meine Werte beeinflussen unmittelbar mein Verhalten und meine Entscheidungen. Gleichzeitig bestimmen sie, wie ich Situationen wahrnehme und bewerte. Was früher als Chance erschien, kann unter veränderten Wertmaßstäben als Risiko wahrgenommen werden. Dadurch wurde mir bewusst, dass Werte als innerer Filter wirken und sich durch Erfahrungen kontinuierlich weiterentwickeln.

Auf der Identitätsebene wurde mir schließlich bewusst, wer ich heute bin und welche Rolle ich in meinem Leben einnehmen möchte. Ich bin nicht mehr ausschließlich auf der Suche nach der nächsten beruflichen Herausforderung, sondern sehe mich vor allem als Vater, Partner und verantwortungsbewusste Persönlichkeit. Diese Identität verändert den Blick auf Entscheidungen grundlegend. Es geht nicht mehr primär um persönliche Verwirklichung, sondern um die Frage, wie sich berufliche Ziele mit einem stabilen und erfüllten Familienleben vereinbaren lassen. Meine Identität beeinflusst alle darunter liegenden Ebenen: Sie bestimmt meine Werte, mein Verhalten und letztlich die Wahl meiner Umgebung. Gleichzeitig wird sie durch mein tägliches Handeln immer wieder bestätigt oder hinterfragt. Stimmigkeit zwischen Identität und Verhalten führt zu innerer Stabilität, während Widersprüche langfristig zu Unzufriedenheit führen.

Auf der höchsten Ebene, der Zugehörigkeit beziehungsweise Sinn-Ebene, wurde mir klar, wofür ich diese Entscheidung treffe. Es geht nicht nur um einen Job, sondern um das Leben, das ich führen möchte, und um das Umfeld, in dem meine Familie aufwächst. Der Sinn wirkt dabei als übergeordnete Orientierung und verbindet alle Ebenen miteinander. Er gibt meiner Identität und meinen Werten eine klare Richtung und sorgt dafür, dass Entscheidungen in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden. Dadurch entsteht ein Gesamtbild, das über kurzfristige Überlegungen hinausgeht.

Durch die systematische Betrachtung aller logischen Ebenen verlor das Startup nach und nach an Bedeutung. Es blieb eine spannende Option, erwies sich jedoch als eher kurzfristig attraktiv. Der Weg in den regionalen Mittelstand im Allgäu hingegen zeigte sich als stimmig auf allen Ebenen – rational, emotional und im Einklang mit meiner Lebenssituation.

Im Verlauf dieses Prozesses wurde mir bewusst, dass nachhaltige Entscheidungen nicht isoliert auf einer einzelnen Ebene getroffen werden können. Vielmehr entsteht die Qualität einer Entscheidung erst durch das Zusammenspiel aller Ebenen. Sinn prägt Identität, Identität formt Werte, Werte steuern Verhalten und Verhalten beeinflusst die Umwelt. Gleichzeitig wirkt die gelebte Umwelt wieder auf Verhalten und Wahrnehmung zurück und stabilisiert oder verändert Werte und Überzeugungen. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreislauf, in dem sich Entscheidungen im Alltag immer wieder bestätigen oder infrage stellen.

Genau diese Wechselwirkung macht deutlich, dass langfristige Zufriedenheit nicht durch einzelne Faktoren entsteht, sondern durch die Kongruenz aller Ebenen. Wenn diese im Einklang sind, entsteht eine selbstverstärkende Dynamik: Das Verhalten passt zur Identität, die Umwelt unterstützt die eigenen Werte und die gemachten Erfahrungen bestätigen die Entscheidung immer wieder. Diese Rückkopplung führt zu Klarheit, Stabilität und innerer Sicherheit.

Umgekehrt wurde mir bewusst, dass Konflikte auf höheren Ebenen nicht durch Vorteile auf niedrigeren Ebenen ausgeglichen werden können. Ein Job kann objektiv attraktiv sein und dennoch langfristig unzufrieden machen, wenn er nicht zur eigenen Identität oder den eigenen Werten passt. In solchen Fällen entsteht ein innerer Widerspruch, der sich im Verhalten und im täglichen Erleben bemerkbar macht.

Rückblickend war daher nicht nur das Ergebnis meiner Entscheidung entscheidend, sondern vor allem der Reflexionsprozess selbst. Dieser hat mir geholfen, meine Prioritäten klar zu erkennen und mein Handeln bewusst danach auszurichten. Dadurch entstand eine Entscheidung, die sich nicht nur logisch begründen lässt, sondern sich auch innerlich vollständig stimmig und nachhaltig. anfühlt.

Die logischen Ebenen sind für mich damit weit mehr als ein theoretisches Modell. Sie sind zu einem inneren Kompass geworden, der mir hilft, auch zukünftige Entscheidungen bewusst, reflektiert und im Einklang mit meiner Persönlichkeit und meiner Lebenssituation zu treffen.

Die beste Entscheidung ist nicht die objektiv spannendste oder attraktivste, sondern die, die auf allen Ebenen zu mir passt und sich im Alltag immer wieder bestätigt.

Sonja D’Agostina-Lika

Ressourcennutzung: Abgrenzung zwischen systemischer Arbeit und NLP, ihre unterschiedlichen Ausprägungen und das Zusammenwirken

 

Die bewusste Nutzung von Ressourcen stellt sowohl in der systemischen Arbeit als auch im Neuro‑Linguistischen Programmieren (NLP) einen zentralen Ansatz dar. Beide Methoden verlassen eine problemorientierte Betrachtungsweise menschlichen Erlebens und richten den Fokus stattdessen auf vorhandene Fähigkeiten, Kompetenzen und Entwicklungspotenziale. Ressourcen werden dabei als bereits vorhandene, teilweise unbewusste Möglichkeiten und Stärken verstanden, die im Rahmen von Entwicklungs‑ und Veränderungsprozessen bewusst zugänglich gemacht werden können. 

 

In der systemischen Arbeit steht der Mensch stets als Teil sozialer Systeme wie Familie, Team, Freundeskreis oder Organisation im Mittelpunkt und wird nicht isoliert betrachtet. Verhalten entsteht aus Wechselwirkungen innerhalb dieser Systeme und erfüllt dort eine bestimmte Funktion. Dieses Verhalten kann sich in unterschiedlichen Systemen auf verschiedene Weisen äußern. Eine ressourcenorientierte Haltung bedeutet hier, die jeweilige Funktion des Verhaltens zu erkennen und die darin enthaltenen Stärken sichtbar zu machen.

 

Das NLP teilt diese Grundannahme, legt den Schwerpunkt jedoch stärker auf innere Prozesse, Haltungen sowie Denk‑ und Verhaltensmuster eines Individuums. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Menschen grundsätzlich über alle notwendigen Ressourcen verfügen, um gewünschte Veränderungen zu erreichen, auch wenn diese teilweise nicht bewusst sind. Entsprechend der vierten Grundannahme des NLP werden Ressourcen als jederzeit aktivierbar verstanden. Dabei wird zwischen emotionalen, kognitiven, verhaltensbezogenen, physischen und sozialen Ressourcen unterschieden. Zur Aktivierung dieser Ressourcen stellt das NLP unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Einige Beispiele dafür sind die Ressourcendusche, die Kinoleinwand oder New Behaviour Generator.

 

Trotz dieser unterschiedlichen Schwerpunkte verfolgen beide Ansätze das gemeinsame Ziel, die Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen zu erweitern und zu verbessern.

 

Aufbau

In der systemischen Arbeit zeigt sich Ressourcenarbeit vor allem in einer neutralen und wertschätzenden Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen und deren Wechselwirkungen. Verhalten wird nicht korrigiert oder bewertet, sondern im jeweiligen Kontext verstanden. Der Fokus liegt auf bereits vorhandenen Stärken und funktionalen Lösungsstrategien innerhalb des Systems. Ziel ist dabei, einen Perspektivwechsel weg von Defiziten hin zu Potenzialen zu ermöglichen. Ressourcenarbeit bedeutet in diesem Zusammenhang, gemeinsam neue Sichtweisen zu entwickeln und Lösungsräume zu eröffnen, die es dem System ermöglichen, sich weiterzuentwickeln und neu zu organisieren.

 

Im NLP wird Ressourcenarbeit stärker auf die inneren Erfahrungswerte des Einzelnen bezogen. Schwierigkeiten werden als Ergebnis eingeschränkter Wahrnehmung oder begrenzter innerer Reflexionen verstanden. Ziel ist es, diese Ressourcen bewusst zugänglich zu machen und flexibel nutzbar werden zu lassen. Charaktaristisch für das NLP ist eine konsequente Ausrichtung auf Lösungen und Ziele. Durch die Aktivierung positiver innerer Zustände, die Arbeit mit Überzeugungen und Glaubenssätzen sowie die bewusste Nutzung früherer Erfolgserfahrungen werden neue Handlungsoptionen geschaffen. Im Unterschied zur systemischen Arbeit liegt der Schwerpunkt dabei weniger auf dem sozialen Kontext als auf der subjektiven Wahrnehmung und inneren Struktur individueller Erfahrung.

 

Ein kurzes Beispiel verdeutlicht die Abgrenzung beider Ansätze: Eine Person erlebt ihr zurückhaltendes Verhalten in Konfliktsituationen zunächst als persönliche Schwäche.

Systemisch betrachtet wird dieses Verhalten als funktionale Strategie innerhalb eines bestimmten Beziehungskontextes verstanden, etwa zum Selbstschutz. Gleichzeitig ermöglicht das NLP, die vorhandenen Ressourcen wie Selbstkontrolle oder Selbstbewusstsein gezielt zu aktivieren und für zukünftige Situationen nutzbar zu machen.

 

In ihrer gemeinsamen Grundhaltung ergänzen sich systemische Arbeit und NLP somit zu einem wirkungsvollen Rahmen für Entwicklungs‑ und Veränderungsprozesse.

 

Ziel

Ziel ressourcenbasierter Arbeit sowohl in systemischer Arbeit als auch beim NLP ist die nachhaltige Öffnung und Erweiterung individueller Wahrnehmungs‑ und Verhaltensmustern. Menschen sollen sich als wirksame und kompetente Gestalter ihres Handelns erleben und verstehen, dass Entwicklung nicht aus der Korrektur von Defiziten entsteht, sondern aus der bewussten Aktivierung und Nutzung bereits vorhandener Fähigkeiten, Erfahrungen und Potenziale. Eine ressourcenbasierte Perspektive fördert Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung und unterstützt zugleich eine wertschätzende Haltung im Umgang mit sich selbst sowie mit anderen.

Mario Müller

Der New Behavior Generator – weshalb diese Technik den Unterschied im Leistungssport machen kann


Der New Behavior Generator (NBG) ist eine Technik des Neuro-Linguistischen Programmierens. Grundsätzlich geht es dabei um das Erlernen neuer Verhaltensmuster durch Visualisierung, mentales Probehandeln und das Einnehmen verschiedener Wahrnehmungspositionen (Bandler & Grinder, 1975). Häufig wird die Funktionsweise des NBG bereits im Alltag sichtbar: Menschen, besonders häufig Kinder schauen sich ihre Vorbilder immer wieder an, studieren deren Bewegungsmuster und „spielen“ diese nach. Dieses Prinzip lässt sich auch durch sozial kognitive Lerntheorien erklären, insbesondere durch das Modelllernen nach Bandura (Bandura, 1977).

Hier zeigt sich, dass für das Erlernen neuer Fähigkeiten nicht zwingend das reale Üben notwendig ist. Studien aus dem Bereich des Mentaltrainings zeigen, dass mentales Üben die Leistung verbessern kann, wenn auch effektiver in Kombination mit physischem Training (Driskell et al., 1994).

Im ersten Schritt des NBG wird das Zielverhalten des Coachees genau durch Fragestellungen herausgearbeitet und abgegrenzt. Dieses kann sich auf eine konkrete, abgeschlossene Situation beziehen und auf weniger klar abgrenzbare Verhaltensweisen. So kann sowohl der Startsprung eines Schwimmers das Zielverhalten darstellen, als auch das Verhalten oder die Selbstkommunikation während eines mehrstündigen Wettkampfs. Im zweiten Schritt wird ein passendes Model gewählt, also ein Idol oder eine Figur, die das gewünschte Verhalten verkörpert. Dies können reale Personen sein, aber auch Film- oder Comicfiguren oder Tiere. Entscheidend ist, dass das gewählte Model das Zielverhalten möglichst genau und rein repräsentiert (Dilts, 1998).

Anschließend wird der gewählte NBG in die Zielsituation „eingesetzt“. Der Coachee erlebt die Situation zunächst aus einer dissoziierten Perspektive, also als Beobachter. Er schaut also seinem NBG beim Durchführen oder Erleben der Zielsituation zu. Anschließend wird geprüft, ob das Verhalten des NBG in der identifizierten Situation zum gewünschten Ergebnis führt. Danach erfolgt der Wechsel in eine assoziierte Perspektive, in der das Verhalten selbst erlebt wird, quasi anstelle des gewählten NBG, aber mit dessen Fähigkeiten. Diese Arbeit mit verschiedenen Wahrnehmungspositionen ist ein zentrales Element sowohl im NLP, als auch im NBG (Bandler & Grinder, 1980).


In diesem Schritt sollte das Zielverhalten vollständig erreicht werden. Beim vollständigen Erreichen des Ziels, sollte dieses auch in der verbalen und nonverbalen Kommunikation des Coachees zu erkennen sein. Sollte das Verhalten noch nicht mit dem gewünschten Ziel übereinstimmen, kann der Prozess wiederholt oder ein neuer NBG gewählt werden. Eine der naheliegende Anwendungsmöglichkeiten aus dem sportlichen Kontext liegt in der Verbesserung von Bewegungsabläufen. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, Bewegungen bereits durch reine Vorstellung zu trainieren. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass bei mentalem Training ähnliche neuronale Aktivierungen stattfinden wie bei tatsächlicher Bewegung (Jeannerod, 1995).

Natürlich ersetzt mentales Training nicht das körperliche Training, sondern ergänzt dieses sinnvoll. Gerade im Leistungssport, wo meist alle Möglichkeiten des physischen Trainings bereits ausgereizt werden, kann Mentaltraining einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bieten. (Weinberg & Gould, 2019).

Besonders bei technisch und koordinativ anspruchsvollen Bewegungen zeigt sich die Effektivität dieser Methode. Viele Sportler nutzen gezielt mentale Bilder, um Bewegungsabläufe zu optimieren oder von Vorbildern zu übernehmen. Dies kann vom Startsprung im Schwimmsport, über eine spezielle Ausführung eines Freistoßes beim Fußball reichen. Auch bei Kindern, welche Ihre Idole nachahmen und Ihre Bewegungen versuchen genau zu übernehmen, ist die Funktionsweiße des NBG bereits zu erkennen. Neben Bewegungsabläufen können auch emotionale Zustände durch mentales Training beeinflusst werden. Im Leistungssport stehen Athleten häufig unter hohem Druck, was zu Stress und Leistungsbeeinträchtigungen führen kann. Ein effektives Emotionsmanagement ist daher entscheidend für sportliche Höchstleistungen (Weinberg & Gould, 2019).


In meiner persönlichen Erfahrung durfte ich mit Hilfe des NBG lernen Nervosität und daraus resultierende Anspannung zu regulieren. Bei mir sorgte die Nervosität und der Leistungsdruck zu solch einer psychischen und physischen Anspannung, dass sich dies unmittelbar auf die körperliche Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. In meinem Fall stand der Esel als Tier für Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit. Diese Ressourcen helfen mir heute meine Nervosität zu kontrollieren. Ich stelle mir in der direkten Vorbereitung und in den Tagen vor wichtigen Wettkämpfen immer wieder einen Esel vor, welcher mit seiner ganzen Ruhe die letzten Vorbereitungen erledigt. Die Ergebnisse des erfolgreich implementierten NBG sind nicht nur mental, sondern auch körperlich spürbar. Sei es durch mehr innere Ruhe oder eine effektivere Regeneration. Mein eigenes Beispiel soll verdeutlichen, wie mächtig und effektiv der NBG sein kann.


Ein bekanntes Beispiel für den Einsatz von Mentaltraining im Spitzensport ist die Triathletin Natascha Badmann. Sie berichtete, dass mit Hilfe ihres Trainers und bekannten Mental Coaches Toni Hasler mentale Bilder ein fester Bestandteil ihres Trainings waren. Unter körperlichen Extrembelastungen rief sie sich immer das Bild einer Gazelle in den Kopf. Die Gazelle stellte für sie Leichtigkeit und Schnelligkeit dar. Diese Ressourcen helfen ihr in schweren Zeitpunkten ein positives Mindset zu behalten, wie auch trotz schwerer Beine weiter einen lockeren Laufschritt zu bewahren (Interview Datasport 2016). Es ist also anzunehmen, dass die Gazelle für die Schweizerin ein NBG war. In dem Podcast „Pushing Limits“ berichtet ihr Wegbegleiter Nils Görke von gemeinsamen Schwimmeinheiten. Hier war eine deutliche Verbesserung ihrer Schwimmleistung zu erkennen, nachdem sie von Toni Hasler daran erinnert wurde, dass sie jetzt schwimmen solle wie ein Hai. Auch dieses Beispiel stellt eine klassische, erfolgreiche Anwendung eines NBG dar.


Anhand dieser lediglich kurzen und exemplarischen Ausführungen ist zu erkennen, wie breit die Anwendungsmöglichkeiten des NBG sind. Auch wie mächtig und erfolgreich diese Intervention ist, lässt sich an Beispielen von Weltklasse Athleten erkennen. Diese Erkenntnis stützt nicht zuletzt meine persönliche Erfahrung, welche mir immer noch beim Erreichen meiner sportlichen Ziele hilft.

Auszug unserer Auftraggeberinnen und Kooperationspartner